1. Teil der RCA-Clubgeschichte
(1918 - 1922)


Die Geschichte des Ruderclub Aarburg

Der RC Aarburg feiert im Jahr 2018 sein 100-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Grund tragen wir alle Informationen zusammen und machen die Geschichte des ältesten Aargauer Ruderclubs allen Interessierten zugänglich.
Paul Morf hat 1958 ein erstes Mal RCA-Dokumente zusammengetragen und diese auf fast 15 A4-Seiten mit Schreibmaschine festgehalten. In nächster Zeit werden wir tranchenweise alles veröffentlichen und versuchen, mit Bildmaterial die Geschichte aufzulockern. 


Im August des Jahres 1918 entdeckt Paul Morf im Holzschopf des Elektrizitätswerks beim Stauwehr Ruppoldingen den Outrigger „Basilisk“, der in der Folge sein ganzes Interesse erregt. Bürstenfabrikant Walter Hinnen, damals Mitglied des RC Olten, war Eigentümer dieses Bootes, das er entweder vom RC Olten käuflich erwarb oder schenkungsweise erhalten hatte.

Am 12. August 1918 gründen Walter Hinnen (Aarburg), Guido Strähl (Zofingen), A. Gruebler (Rothrist), Mathias Straumann (Oftringen), Hermann Strähl (Aarburg) und Max Brosy (Aarburg) den RC Aarburg. Als Zugewandter sitzt Bezirksschüler Albert Affolter meist am Steuer. Später figurieren im Logbuch auch die Namen Werner Hinnen, Jakob Lüthi (Aarburg), Ernst Niggli (Aarburg) und Bezirksschüler Hugo Wullschleger. Statuten, Protokolle oder ein Kassabuch aus der Gründungszeit existieren nicht.

1918: Das Logbuch existiert noch
Dafür ist das Logbuch vorhanden, das von der ersten Ausfahrt an geführt wurde. Am 24. August 1918, 12 Tage nach der Gründung des Clubs, absolvieren Max Brosi, A. Gruebler, Mathias Straumann, Werner Hinnen und Steuermann Guido Strähl die erste Fahrt. Sie dauert eineinhalb Stunden und führt zur Insel. Unter Bemerkungen steht: Kleiner Riss vorn unter dem Sitz, kleiner Riss hinten bei der Flosse.

Die neunte Tour wird bereits als Reklamefahrt in der Waage Aarburg genützt. Im Oktober nehmen die Aarburger an der Corsofahrt anlässlich der Club-Regatta des RC Olten teil. 

Zwei Monate nach der Gründung des Clubs haben die Ruderer bereits 20 Fahrten absolviert, davon 7 Schulungsfahrten im Kanal, 2 zu den Inseln, 1 bis Tanne, 5 bis Rothkanal, 1 nach Murgenthal. Aareabwärts, mit Einsatz unter dem Stauwehr: 1 bis Waage Aarburg, 1 nach Ruttingen, 1 bis Bootshaus Olten, 1 bis Stauwehr Winznau.

1919: Nur vier Fahrten absolviert
Im Jahr 1919 werden nur vier Fahrten (4. bis 12. Mai) absolviert. Zwei nach Boningen, 1 zum Rothkanal und 1 nach Murgenthal. Danach hört die Rudertätigkeit auf.

In den Jahren 1920 und 1921 finden keine Rudertätigkeiten statt.

1922: Zweite Gründung, erste Statuten
Im Jahr 1922 wird wieder gerudert. Vom 28. Juni bis 30. Juli sind 8 Fahrten zu den bekannten Zielen registriert. Die Bezirksschüler Max Byland, Hugo Wullschleger und Bruno Vögeli absolvieren ihre ersten Fahrten. Die Chancen, dass dadurch eine vollzählige Mannschaft zusammenkommt, steigen wieder. Amüsant sind die Bemerkungen im Logbuch: Schulfahrt mit grosser „Fusswaschung“, Schwimmen mit Hochsprungübungen oberhalb des Stauwehrs oder der RC Olten benutzt unsere Boote eine halbe Stunde. Bei der Alten Post Aarburg beinahe gelandet. Das Boot muss anschliessend in Ordnung gebracht werden ...

Die Untätigkeit der Ruderer und die trostlose Verlassenheit des „Basilisk“ im Werkschopf beim Stauwehr veranlassen Paul Morf, das Boot vom Eigentümer Walter Hinnen zu erwerben. Zum Preis von 100 Franken samt den zwei Böcken wechselt es den Besitzer. Im September 1922 ist die erste Etappe des RCA abgeschlossen.

Die sofort einsetzende Werbung für den Rudersport in Aarburg hat Erfolg. Am 28. Oktober 1922 findet die zweite Gründungsversammlung des RCA statt. Das Gründungsprotokoll gibt folgende Auskunft: Versammlungsleiter und Postbeamter Paul Morf begrüsst 17 Freunde des Rudersports, die der Einladung zur Gründung des Ruderclubs Aarburg Folge geleistet haben. Der Vorsitzende orientiert die Anwesenden über die bereits getroffenen Vorbereitungen und Vorarbeiten zur Gründung des RCA. Das Elektrizitätswerk stellt dem Club in verdankenswerter Weise weiterhin den Werkschopf beim Stauwehr zur Unterbringung von Schiff und Geschirr zur Verfügung.

Der „Basilisk“ samt Zubehör wird Eigentum des Clubs. Gestützt auf diese Ausführungen wird die Gründung des RCA beschlossen. Der Vorstand wird wie folgt bestellt: Präsident Paul Morf, Vizepräsident: Hermann Strähl (Kaufmann), Ruderchef: Dr. Werner Hinnen (Fabrikant), Aktuar: Ernst Niggli (Banklehrling), Kassier. Bruno Vögtli (Kantonsschüler), Material- und Bootshausverwalter: Albert Affolter (Techniker) und Karl Hanselmann (Elektriker), Beisitzer: Dr. med. Ernst Baumann (Rothrist). Als Rechnungsrevisoren werden Max Byland (Kantonsschüler) und Georges Bader (Drogistlehrling) gewählt.
Weitere Gründungsmitglieder Guido Strähl (Kaufmann, Zofingen), Hans Müller (Kaufmann, Oftringen), Hugo Wullschleger (Kantonsschüler, Aarburg), Fritz Gerber (Kanzleilehrling, Rothrist), Paul Künzli (Kantonsschüler, Aarburg), Mathias Straumann (Kaufmann, Oftringen) und Walter Hinnen (Fabrikant, Aarburg).

Die vom Präsidenten bereits vorbereiteten Statuten werden beraten und einstimmig genehmigt. Einen Jahresbeitrag kannte man zu dieser Zeit noch nicht. Es wurden Monatsbeiträge eingezogen. Die Aktiven zahlen 1 Franken. Der Jahresbeitrag für die Passivmitglieder wird auf 5 Franken. festgelegt. Als obligatorischer Übungstag wird der Samstagnachmittag bestimmt. Nach den Statuten hat alle Monate eine Clubversammlung stattzufinden.

An der ersten Monatsversammlung am 23. November 1922 wird die Abhaltung eines Skikurses und die Durchführung eines Familienabends beschlossen, der im März stattfinden soll.

Auf eine Rundfrage hin wird dem Club am 7. Dezember 1922 vom Ruderclub Kaufleuten Zürich die Gig-Yole „Hick“ zum Preis von 200 Franken angeboten. Es wird beschlossen, dass einer die Yole besichtigen soll.

Am 29. Dezember 1922 beschliesst die Monatsversammlung den Ankauf eines Ruders bei Stämpfli in Wollishofen. Der Präsident erstattet Bericht über die erste Skitour über Trimbach - Hauenstein - Schmutzberg Belchen - Langenbruck - Hägendorf - Born - Aarburg. Fotos von dieser Tour werden verkauft und der Erlös einem Fonds für ein Clubalbum und ein Fahnenkästchen zugewiesen. Das Album wird den Clubmitglied Max Byland anvertraut.