3. Teil der Clubgeschichte 1928 - 1934

1928: "Strick" zieht ins Bootshaus ein
Schneemangel im Jura verunmöglichten im Frühjahr 1928 Ausflüge dorthin. Dafür unternahmen neun Ruderer eine eineinhalbtägige Skitour auf den Stoss und auf den Frohnalpstock bei herrlichem Verlauf.

Vom Frühjahr bis in den Herbst erlaubte eine lang andauernde Schönwetterperiode die lückenlose Abhaltung der obligatorischen Übungen und die Ausführung von 24 Ausfahrten nach den bekannten Zielen Aareauf- und -abwärts: davon 14 nach Murgenthal, eine nach Wynau, 2 Waage Aarburg, 2 nach Olten, und eine eineinhalbtägige Berg- und Talfahrt nach Solothurn.

Der RCA beteiligt sich anlässlich dar Bundesfeier 1928 mit den Pontonieren am nächtlichen Lampionkorso und erwirbt sich viel Sympathie mit dem schnell dahinziehenden, mit Lampions beleuchteten „Charly“. Der Neueintritt von etlichen Passivmitgliedern und die Schenkung von sechs Anteilscheinen sind dieser Mitwirkung am Vaterlandstag zu verdanken.

Am 20. August 1928 hält der Doppelzweier „Strick“ Einzug im Bootshaus. Im Jahresbericht 1928 ist hierüber zu lesen: Der schönste und wichtigste Moment im bisherigen Clubleben ist die längst gewünschte Verwirklichung der Anschaffung eines neuen Doppelzweiers. Am 20 August 1928 ging dieser Wunsch dank der Opferfreudigkeit der Mitglieder in Erfüllung. Der im Frühjahr bei Stämpfli bestellte Doppelzweier „Strick“ konnte an diesem denkwürdigen Tag am  Bahnhof abgeholt und ins Bootshaus überführt werden.

Es steht wohl einzig in der Geschichte eines Vereins, dass ein paar Mitglieder 750 Franken vorschiessen und zum Teil schenken, zum Ankauf eines Bootes, das dem Gesamtclub dienen soll. Der „Strick“ kostete damals 1250 Franken, die vier 4 Skuller 80 Franken. Die Anzahlung betrug 750 Franken, die Restzahlung musste innert Jahresfrist erfolgen.

1929: Kegelabend zu Gunsten des Bootsfonds
Herrliches Winterwetter mit günstigen Schneeverhältnissen brachte 1929 regen Winterbetrieb. Alle Samstagnachmittage wurden Übungsausflüge an den Born und auf die Wartburghöhe ausgeführt und an den Sonntagen bis zu 12 Mann starke Skitouren nach den bekannten Jurazielen. Der ausgezeichnete Sommer brachte den Rekord von 61 Wanderfahrten, davon 12 nach Murgenthal, 1 Wynau, 3 Wolfwil, 3 Aarwangen, 1 Wangen a/A, 1 Solothurn. Aareabwärts je eine in die Waage Aarburg, nach Winznau und ins Gösgerwerk.

Ab Mitte Oktober geben sich die Ruderer ziemlich vollzählig Rendez-vous zum Kegelschub, dessen Erträge dem Bootsfonds zugewiesen werden und einen schönen Betrag abwerfen. Eine spezielle Sammlung am letzten Kegelabend ergab den schönen Betrag von 108 Franken. Die Möglichkeit zur Anschaffung einer neuen Yole-de-mer rückt immer näher.

1930: "Strick" erleidet Havarie
Im Januar 1930 unternehmen und erleben die Ruderer eine prachtvolle Skitour auf den Stoos und den Graustock. Bis Mitte April gab es wieder alle 14 Tage Kegelabende zu Gunsten des Bootsfonds. Die Rudertätigkeit konnte erst am 26. April aufgenommen werden, die des schlechten Wetters wegen sehr flau ausfiel und wenige grössere Ausfahrten ermöglichte.

Eine Rekordleistung vollbrachte jedoch eine Dreiermannschaft über Pfingsten 1930. Ein Auto führt die Mannschaft mit den „Strick“ nach Arch bei Büren a/A. Von dort gehts aareaufwärts nach Biel und den See hinauf nach Erlach. Dort wird übernachtet und am andern Tag die ganze Strecke zurückgefahren. Die schöne wohlgelungene Fahrt wird im letzten Moment durch einen Unfall getrübt. Die Mannschaft riskiert die vom Club verbotene Durchfahrt durch das Wehr in den Kanal und verursacht durch Kollision schwere Havarien am Doppelzweier. Die Mannschaft musste für die Reparaturkosten am Boot und für Ersatz eines Ruders im Betrag von 650 Franken aufkommen und hat dies auch vollbracht.

Im Januar 1930 bestellt eine Delegation bei Stämpfli in Wollishofen die Yole „Born“ nach vollständiger Zeichnung des hierfür nötigen Darlehens durch die Mitglieder. Das Boot kostet 2100 Franken und gelangt Mitte Juli 1930 zur Ablieferung. Das neue Boot ist neben dem „Strick“ die Freude und der Stolz der Ruderer.

Basilisk wird verbrannt

Der alte „Basilisk“, der mitbestimmend war für das Aufkommen des Rudersports in Aarburg, muss raumeshalber und wegen seiner Altersgebrechen seinen Platz räumen. Was am Wrack noch brauchbar ist, wird abgetakelt. In zwei Hälften aufgeteilt und aufgerichtet, erleidet das ehrwürdige Boot in einer mächtigen Feuersäule den selbst gesuchten Flammentod. Vor Jahrzehnten war es als neues Boot der Stolz des Basler Ruderclubs, alternd wurde es ein Notbehelf des RC Olten, und im hohen Alter war es noch bestimmt, den RCA ins Leben zu rufen. Mit solchen dankbaren und wehmütigen Gedanken nahmen wir damals Abschied vom ausgedienten Boot, an welches wir hunderte von Flickstunden aufgewendet haben und mit unzähligen Flicklattli die immer häufiger werden Risse abdichteten. Es war ein Abschied wie von einem treuen guten Kameraden.

Nicht viel später ist auch „Charly“ aus dem Bootspark ausgeschieden. Platzmangel und das übermässige Gewicht des tannenen Bootes und die nicht zu behebende Durchlässigkeit veranlassen den Club, das Boot weiterzugeben.

Ab 1930 wird der Monatsbeitrag für Aktive Kategorie a auf zwei Franken erhöht, Kategorie B zahlt einen Franken.

1931: Walter Baur wird neuer Präsident
Bis bisher berichtet der Chronist aus seinen persönlichen Erlebnissen und seinen Jahresberichten als RCA-Präsident, dem er seit der Gründung 1922 bis Mitte März 1931 vorstand. Infolge unliebsamer Differenzen persönlicher Art, die jedoch den RC nicht berührten, nahm er Abschied vom geliebten Rudersport und verfolgte das Geschehen im RCA aus der Ferne. Neuer Präsident wird der Aarburger Kaufmann Walter Baur. Er berichtet, dass die Rudertätigkeit in diesen Jahr nicht gerade lebhaft war. Von Anfang Mai bis Mitte Juli wurden 19 Fahrten ausgeführt. Das Logbuch enthält keine weiteren Eintragungen, demzufolge muss die Rudertätigkeit schon Mitte Juli aufgehört haben.

Eine dieser Fahrten nahm einen recht unglücklichen Ausgang. Am 26. Juni 1931 kollidierte eine Mannschaft mit dem „Born“ auf der Rückfahrt von Aarwangen und nach einem Zwischenhalt in Murgenthal durch unachtsames Manövrieren mit dem dortigen Brückenpfeiler. Das neue Boot wurde schwer beschädigt und musste bei Stämpfli in Wollishofen repariert werden. Die fehlbare Mannschaft musste für Reparaturkosten und den Bahntransport im Betrag von 326 Franken soildarisch aufkommen.

Der Mitgliederbestand ist auf 9 Aktive und 29 Passive zurückgegangen.

Die Schulden des Clubs betragen zu Beginn den Jahres 1931 total 2420 Franken (82 Anteilscheine à 10 Franken und Darlehen der Mitglieder in der Höhe von 1600 Franken).

Auf Anraten des Präsidenten und des Ruderchefs beschliesst der Club, die 82 unverzinslichen Anteilscheine zurückzuzahlen. Zur Beschaffung der Mittel eröffnet die Sparkasse Oftringen dem Club einen Kontokorrent-Kredit bis maximal 2500 Franken. Die beiden Antragsteller Walter Baur und Dr. Werner Hinnen haften als Solidarbürgen der Kasse gegenüber.  Auf Ende 1931 beträgt die Bankschuld 1375 Franken. Der RCA seinerseits verpfändet an die beiden Bankbürgen mit Unterschrift aller Aktiven das gesamte Clubvermögen an die beiden obengenannten Clubmitglieder.

Die Eröffnung der Badeanstalt in Aarburg beeinflusst stark den Ruderbetrieb, der erst im Mai einsetzte. Im RCA fängt es an zu kriseln. Im ersten Jahresbericht macht der neue Präsident auf die innern Krisenerscheinungen aufmerksam, indem er wörtlich ausführt: Wie Ihr seht sind wir ein enger Kreis geworden. Der Verein als solcher existiert praktisch nicht mehr. Wir sind zu wenige dazu. Trotzdem gibt er der Hoffnung Ausdruck, dass sich der Club bald wieder erholen möge.

1932: Nur noch 9 Aktivmitglieder 
Die Rudersaison wurde am 21. Mai eröffnet. Grössere Fahrten werden keine ausgeführt. Es langt höchstens bis Rothkanal oder nach Boningen zum Zobig in der Linde. Aus der Mitte der Aktiven wird zu vermehrter Tätigkeit aufgerufen, mit eventuellem Anschluss an den Schweizer Ruderverband. Dem Vorstand scheint Hingabe und Unternehmungsgeist zu fehlen. Er begnügt sich mit der Veranstaltung von geselligen Anlässen und kleineren Vergnügungsfahrten, ohne Verbandszwang.

Im kurzen Jahresbericht 1932 ist der Mitgliederbestand noch mit 9 Aktiven und 17 Passivmitgliedern ausgewiesen. Die Rudertätigkeit ist wiederum flau und die Stimmung weiterhin krisenhaft.

Das Clubvermögen, Bootshaus, Boote und Zubehör werden mit 2959.40 Franken ausgewiesen. Am 28. Februar 1933 beträgt die Kontokorrentschuld 1060 Franken.

1934: Keine Rudertätigkeiten und keine Berichterstattung des Präsidenten.